13.07.2020

„Es wird NIE wieder normal!“

Markus König, Projektleitung bei Gesellschaft macht Schule, Sozialpädagoge, reflektiert die Auswirkungen der Coronakrise auf die Kinder & Jugendlichen und auf die Arbeit bei Gesellschaft macht Schule.

„Es wird NIE wieder normal!“ Diesen Satz hat uns kürzlich eine sehr wache Achtklässlerin entgegengerufen, als wir davon sprachen, dass im September wieder in der gewohnten Weise Unterricht stattfinden wird. Das kam ganz tief aus ihr heraus und es war klar, dass es nicht mit einem Gespräch getan sein würde, ihr diese Überzeugung wieder zu nehmen.

In der Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen wird es eine Zeit vor und eine Zeit nach Corona geben. Und wenn wir in die starren Gesichter sehen, die manche Kinder aus dem Lockdown mitgebracht haben, dann wird uns rasch klar, wie viel gemeinsamer Anstrengungen es bedarf, damit diese Kinder nicht zu dem verhängnisvollen Schluss gelangen, dass vorher alles besser war und danach alles immer schlechter werden wird.

Mit einem ausgeklügelten Zeitplan – eng an das Unterrichts-Wechselmodell angepasst – schaffen wir es, die Klassen zwei Mal die Woche zu sehen, entweder bevor oder nachdem sie in Mathe, Deutsch und Englisch unterrichtet werden. Nach den regulären Kursen kommen die Schüler*innen oftmals noch freiwillig in die anschließende Notbetreuung und sind sogar froh, dass wir ihnen diese zusätzlichen Zeiten anbieten – obwohl wir ja auch „Schule“ sind. Der Kontakt zu den Kursleitungen ist ihnen so wichtig und wertvoll geworden, dass sie vor oder nach dem Unterricht da sind, einfach weil auch wir für sie da (geblieben) sind.

Rückblick: Die Arbeit von Gesellschaft macht Schule während der Schulschließungen

Als die Schulen Mitte März 2020 geschlossen wurden, war es für uns alternativlos, koste es was es wolle, die Kinder und Jugendlichen auch im Lockdown nicht allein zu lassen, für sie da zu sein am Telefon, in Not- und Zusatzbetreuungen und auch online. Wir wussten, dass unsere Kinder von keiner Tagesstruktur, wenig Bewegung, beengten Wohnverhältnissen und erhöhtem Medienkonsum betroffen sind. In der Folge haben wir in Abstimmung mit den Schulen ein Online-Programm mit einem festen Wochenplan auf die Beine gestellt, welches wir über Instagram und unsere Website zugänglich gemacht und den laufenden Entwicklungen angepasst haben.

Besonders die festen Telefonsprechzeiten haben viele Schüler*innen sehr intensiv genutzt. Natürlich gab es auch Probleme:  Mit der Erreichbarkeit der Kinder, ihrer unzureichenden technischen Ausstattung, ihren mangelnden Medienkompetenzen, ihrer geringen Frustrationstoleranz bei technischen Problemen sowie mit der Konkurrenz zu anderen Angeboten im Internet.

Dennoch sind wir von den Schüler*innen als wichtiger Ansprechpartner erlebt worden, der ihnen auch in schwierigen Zeiten verlässlich zur Seite steht.

Ausblick: Digitale Beziehungsarbeit in Zukunft

Aus diesem Grund und weil niemand sagen kann, wie es in den kommenden Monaten weitergeht, wollen wir unsere coronabedingt gestartete digitale Beziehungsarbeit weiterentwickeln. Mehrere Kinder haben bereits angefragt, ob wir die Telefonsprechstunde  auch in den Ferien aufrechterhalten können. Der Bedarf ist da. Und ein Anfang ist gemacht.