17.05.2022

"Ich wäre damals auch gern so empfangen worden und freundlich zu sein kostet ja nix.“

Der Krieg in der Ukraine ist mittlerweile auch in unserer pädagogischen Arbeit angekommen.

In unserem Förderprogramm respect U betreuen wir viele Kinder mit Migrations- oder Fluchthistorie. Seit einigen Wochen kommen nun Kinder aus der Ukraine dazu.

Man merkt, dass die Kinder aus der Ukraine sehr gerne lernen und mit dem Schulsystem vertraut sind“, beobachtet Lucia Thüroff, pädagogische Fachkraft bei Gesellschaft macht Schule. Die ukrainischen Kinder sind eher zurückhaltend und man merkt, dass sie deutlich nachdenklicher und vorsichtiger sind als Gleichaltrige. Einige von ihnen sprechen recht gut Englisch, was die Kommunikation stark vereinfacht. "Google Übersetzer" und Gesten sind aber genauso hilfreich, berichten unsere pädagogischen Fachkräfte.

Besonders gern erzählt Lucia aber von Tarek* aus der 5. Klasse, der selbst vor einigen Jahren aus Syrien geflohen ist. Als er bemerkte, dass ein neues ukrainisches Mädchen zu Gesellschaft macht Schule dazukam, ist er ganz freundlich auf sie zugegangen, um sie zu begrüßen. Aufgrund der Sprachbarriere gestaltete sich der Austausch zunächst etwas schwierig. Als Lösung fiel ihm "Google Übersetzer" ein. Mit der Unterstützung sowie der positiven Verstärkung durch Lucia suchte Tarek die entsprechenden Sprachen heraus und überlegte sich, was er zu dem Mädchen sagen könnte. Mithilfe der Übersetzungs-App hieß Tarek das Mädchen in Deutschland willkommen, sagte ihr, dass es schön ist, dass sie hier ist und fragte sie nach ihrem Namen. Natalia* sagte ihren Namen, antwortete mit Gesten und hatte ein kleines Lächeln auf den Lippen, als sie den Kurs wieder verließ.

Als Lucia Tarek für sein Verhalten lobte und fragte, warum er das getan habe, antwortete er, dass er auch gern so empfangen worden wäre, als er das erste Mal eine Schule in Deutschland besuchte. "Und freundlich zu sein kostet ja nix", sagte er noch dazu. Die anderen Schüler*innen waren von Tareks Initiative sehr beeindruckt und wollen in Zukunft freundlich und offen auf neue Schüler*innen zugehen.

"Wir freuen uns sehr über dieses schöne und anrührende Erlebnis. Das bestätigt unsere Arbeit, motiviert und zeigt uns, dass unsere Arbeit wichtig ist!" sagt Lucia, bevor sie wieder zu den Kindern zurückgeht.  

*Namen geändert