22.07.2020

Wie geht es uns persönlich mit Corona?

Die Mutter einer Grundschülerin und drei Mitarbeiterinnen von Gesellschaft macht Schule erzählen, welche Gedanken sie in der Zeit des Lockdowns beschäftigt haben und was ihnen Zuversicht gab.

Mutter einer Grundschülerin

„Ich hätte heulen können vor lauter Freude. Ich habe meine Tochter gesehen und sie war so froh, endlich mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen. Ich könnte gerade wieder anfangen zu heulen“, berichtete uns die Mutter einer „unserer“ Grundschüler*innen. Während des Lockdowns war sie Vollzeit im Homeoffice, auch mal krank gewesen und sie hatte mit ihrer Tochter viel Streit wegen der ganzen Hausaufgaben gehabt. Von der Schule seien nur Hausaufgabenaufträge gekommen, sonst nichts. Ihre Tochter habe die Welt nicht mehr verstanden: Keine Schule, zu Hause bleiben, trotzdem keine Ferien, sondern nur die ganzen Hausaufgaben. Aber dieses Online-Angebot „Team & Sport“ von Gesellschaft macht Schule wäre so schön gewesen. Die Namen der Kursleitungen erwähnte sie häufiger und voller Lob und Dankbarkeit.

Dr. Monika Radek, Gesellschaft macht Schule, Qualitätsmanagement & Reporting

"Ich dachte während des Lockdowns sehr oft daran, wie es wohl "unseren" Kindern & Jugendlichen und deren Familien ergeht. Mit meinem kleinen Garten, zwei Schulkindern, die die „Corona-Schule“ recht selbständig meisterten, einem familienfreundlichen Arbeitgeber fühlte ich mich privilegiert - und dennoch waren die ersten Wochen des totalen Lockdowns ein großer Kraftakt. Meine Zuversicht und Kraft konnte ich in dieser Zeit daraus schöpfen, dass es mir möglich war, samstags ins Büro zu gehen, mein Kindergartenkind nach acht Wochen in die Notbetreuung zu schicken, von unseren Förderern signalisiert zu bekommen, dass sie Gesellschaft macht Schule auch in dieser schwierigen Zeit weiterhin unterstützen und es meinen Arbeitgeber auch in Zukunft noch geben wird. ABER ich komme schlichtweg nicht darüber hinweg, wie unterschiedlich stark diese Krise die Menschen belastet: Wie ergeht es all denen, die sich um ihre Gesundheit, ihre ökonomische Existenz, um die Bildungschancen ihrer Kinder Sorgen machen müssen, weil sie nicht so privilegiert sind wie ich? Weil sie in niedrig bezahlten Jobs arbeiten, weil sie in Kurzarbeit sind, weil sie nicht systemrelevant sind und ihre Kinder nicht in die Notbetreuung schicken können, weil sie (bildungs-)technisch nicht so gut ausgestattet und versiert sind, um die "Corona-Schule" ihrer Kinder gut zu begleiten. Wenn ich im Münchner Bildungsbericht 2019 lese, dass der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zwischen den einzelnen Stadtteilen zwischen 11% und 92% variiert - dann bin ich sprachlos darüber, wie groß die Unterschiede zwischen den Lebenswelten in unserer Stadt bereits vor "Corona" waren. Viele Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger aus sozial benachteiligten Familien kommen und auch einen durchschnittlich geringeren Bildungserfolg erreichen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was "Corona" zur Vergrößerung dieser Schere beigetragen hat."

Nina Schimert, Gesellschaft macht Schule, Fundraising

„Ich bin bei Gesellschaft macht Schule für die Förderpartnerschaften zuständig: Unsere Spender*innen sind für mich wahre Helden, die ich für ihr Engagement bewundere. Gut kann ich mich an die ersten Tage im März 2020 erinnern, wo es so langsam durchsickerte und ich richtig bedrückt war: die Schulen für meine drei Kinder geschlossen und viel schlimmer, auch alle Einrichtungen für die Schützlinge da draußen, deren Zuhause kein sicherer Ort ist. Eine ganze Welt, die sich langsam mit Verzweiflung füllt. Ich wusste die Lage ist ernst – ein innerliches Notprogramm – keiner weiß, in wie vielen Kinderseelen. Nach dem roten Faden in meinem Leben brauche ich nicht zu suchen: Ich möchte, dass wir Erwachsenen in die Welt des Kindes eintauchen und ihren Welten Anerkennung schenken. Im Laufe der Zeit entspannte ich mich mit jedem Kind, das mit unserem pädagogischen Team regelmäßig in Kontakt bleiben konnte.“

Claudia Schmoll, Gesellschaft macht Schule, Projektleitung empower U

„Ich bin eine der Leitungen für Schulprojekte und ich finde die Schulschließung für Kinder und Jugendlichen, aber auch für die ganze Schulfamilie problematisch. Ein Online-Programm auf die Beine zu stellen war für mich zunächst paradox: In unseren Kursen ist die persönliche Beziehung vorrangig, wir suchen den direkten Kontakt zu den Kindern und fangen Defizite auf, die u.a. durch Beziehungs- und Bewegungsarmut mitunter aufgrund eines hohen Medienkonsums entstanden sind. Ein Online-Programm würde den Medienkonsum wieder steigern, dachte ich - könnte das nicht kontraproduktiv sein? Wenn ich jetzt sehe, was für eine Vielfalt an medialen Angeboten durch unsere pädagogischen Fachkräfte entstanden ist und immer noch kreiert wird und wie dankbar sich Kinder, Jugendliche, aber auch Eltern äußern, dann finde ich es großartig, dass wir als Gesellschaft macht Schule diesen Weg eingeschlagen haben. Meine anfängliche Skepsis ist der Zuversicht gewichen, dass wir auch auf diese Weise Kinder und Jugendliche in Problemlagen unterstützen können.“